Beiträge :: Die Fliege Frieda (Auszug - Kurzgeschichten für Kinder)
Die Fliege Frieda (Auszug - Kurzgeschichten für Kinder)
... Erst jetzt bemerkte Frieda so langsam ihre gefährliche Situation. Langsam und mühevoll versuchte sie sich aus dem Brötchen zu befreien. Und sie schaffte es auch noch gerade rechtzeitig, unbemerkt, zu entkommen. Erschöpft ließ sie sich auf dem Polster des Sitzes nieder. Das war knapp, dachte sie bei sich.
Als Frieda langsam wieder zu Kräften kam, wurde ihr die Lage, in der sie sich befand vollends bewusst. Sie war nun in dem Taxi eingesperrt und es gab keine Möglichkeit zu entkommen. Der Taxifahrer startete, nachdem er fertig gegessen hatte, den Motor und fuhr los. Immer weiter entfernte sie sich so von ihrem zu Hause. Doch Frieda blieb nichts anderes übrig als sich ruhig zu verhalten, in eine Ecke zu verkriechen und zu hoffen, dass irgendjemand in das Taxi einsteigen würde. Denn dann könnte sie hinaus fliegen. Also wartete Frieda geduldig auf ihre Chance. Wenn es so weit war, musste sie schnell reagieren.
Es verging, für Frieda, eine sehr lange Zeit und da es ihr langweilig war, schaffte sie es nicht ihre Augen offen zu halten. Sie schlief ein. Deshalb bemerkte sie zu spät, dass das Taxi angehalten hatte. Ein Mann stieg ein. Frieda versuchte noch so schnell wie möglich zur Tür zu fliegen, doch als sie dort angelangt war und hinausfliegen wollte, wurde ihr die Tür direkt vor der Nase zu geschlagen. „Oh nein!“, brummte Frieda verärgert vor sich hin. „Das darf ja nicht wahr sein.“
Das Taxi fuhr wieder los und Frieda sank verzweifelt in die Polsterung.
Schon bald sah Frieda eine neue Chance gekommen. Das Taxi hielt an, um den Fahrgast aussteigen zu lassen. Der Mann bezahlte und öffnete die Tür. Frieda war bereit zum rausfliegen. Sie flog hinter dem Mann her und war auch schon fast draußen. Doch es sollte anders kommen. Es hatte nämlich angefangen zu regnen und ehe sich Frieda versah, kam eine ältere Frau mit einem Schirm auf das Taxi zugelaufen. Der Mann war noch nicht ganz aus dem Taxi draußen, als die Dame schon an der Tür war. Sie hantierte dermaßen mit ihrem Schirm in der Taxitür herum, dass es für Frieda unmöglich war an der Dame und diesem Schirm vorbei zu fliegen. Im Nu war die Tür dann auch wieder zu.
Als das Taxi später anhielt, um die Dame rauszulassen, wiederholte sich das Szenario vom Einsteigen und Frieda musste weiter im Taxi bleiben.
Frieda war zutiefst frustriert. Wenn das so weitergeht komme ich hier nie raus, dachte sie bei sich.
Lange fuhr das Taxi umher, ohne einen weiteren Fahrgast einzuladen. Frieda blieb nichts anderes übrig, als sich langsam mit ihrer Situation abzufinden. Deshalb schaute sie nun aus dem Fenster und betrachtete die Umgebung. Der Regen war jetzt stärker geworden und die Leute auf der Straße suchten in Nischen oder unter Überdachungen Schutz. Eigentlich ist es hier im Taxi doch gar nicht so schlecht, überlegte Frieda. Hier ist es wenigstens trocken.
So machte es sich Frieda im Taxi gemütlich und fing sogar an die Fahrt zu genießen. Ihr machte es Spaß die Menschen und alles was dort draußen geschah zu beobachten.
Nach einiger Zeit begann Friedas Magen zu knurren. Sie schaute sich im Taxi um und entdeckte zu ihrer Freude Überreste von dem Fischbrötchen, in dem sie in dieses Taxi gelangt war. Der Taxifahrer hatte nicht sehr vorsichtig gegessen und es befanden sich einige Krümel und sogar ein kleines Stück vom Fisch auf dem Boden. Frieda fing genussvoll an zu essen.
Der Tag neigte sich dem Ende entgegen. Frieda war sehr zufrieden. So gut war es ihr noch nie gegangen. Der Taxifahrer hatte nämlich sehr oft Hunger und holte noch einige Leckereien aus einer Tasche, die er bei sich hatte. Unter anderem auch ein paar Kekse, deren Krümel sich wunderbar im Taxi verteilten.
Frieda war so satt und entspannt, dass sie gar keine Lust mehr hatte, in die Kirche zurück zukehren. Hier im Taxi gefiel es ihr jetzt sehr viel besser, denn es war warm und gemütlich. Frieda brauchte sich auch kaum zu bewegen, um an etwas Essbares zu kommen. „Hier bleibe ich!“, sagte sie sich entschlossen.
Von nun an verbrachte Frieda ihre Tage und Nächte in dem Taxi. Sie freute sich immer schon auf die nächsten Fahrten. Denn etwas zu essen fiel grundsätzlich immer für sie ab. Der Taxifahrer legte, zu Friedas Glück, nicht sehr viel Wert auf Sauberkeit.
Fressen und Schlafen waren ab jetzt Friedas Hauptbeschäftigungen. Sie bemerkte nicht, dass sie immer dicker und träger wurde. Ihr jetziger Lebensstil hinterließ langsam seine Spuren. Doch Frieda fraß und schlief weiterhin und dachte gar nicht daran irgendetwas zu ändern.
Doch der Tag sollte bald kommen, an dem Frieda gezwungen wurde dieses gemütliche und faule Leben aufzugeben und zwar auf eine nicht sehr angenehme und dramatische Art und Weise. ...
15/7/2010 - 11:05 Uhr — Doro
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