Beiträge :: Der Maulwurf Günther (Auszug - Kurzgeschichten für Kinder)
Der Maulwurf Günther (Auszug - Kurzgeschichten für Kinder)
Günther, der Maulwurf, rückte seine dicke Brille zurecht und betrachtete von seinem kleinen Hügel aus das Feld. Es war früh am Morgen. Der Tau lag noch auf dem Gras. Eine angenehme Frische erfüllte die Luft. Langsam kam die Sonne hervor und ihre Strahlen erwärmten allmählich den Morgen. Die ersten Vögel begannen zu zwitschern.
Günther streckte sich genüsslich. Das wird ein herrlicher Tag, dachte er.
„Günther, Günther“, hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich. Fibi das Wiesel kam herbei geeilt. „Hast Du schon gehört was...Oh je“ Fibi war ganz aufgeregt und außer Puste, so dass Günther kaum etwas von dem verstand, was Fibi ihm da erzählen wollte. „Nun mal ganz ruhig und langsam Fibi. Beruhige Dich erst mal.“, sagte Günther. Fibi holte kurz Luft. „Günher, die Menschen fangen an das Feld umzugraben! Die wollen hier irgendetwas bauen. Kira, die Krähe, hat das gesehen. Die Menschen sind mit großen Maschinen unterwegs! Sie kommen immer näher!“ Fibi war immer noch sehr aufgeregt. Günther versuchte ruhig zu bleiben und seine aufsteigende Angst zu verbergen, damit Fibi nicht noch aufgeregter wurde. „Wenn das so ist, müssen wir jetzt Ruhe bewahren und schnell eine Versammlung mit allen Tieren des Feldes und des angrenzenden Waldes abhalten, um zu besprechen, was wir jetzt tun.“ „Ja, ist gut“, erwiderte Fibi. „Kira soll alle zusammen rufen! Ich sage ihr schnell bescheid!“ Und schon rannte Fibi davon.
Günther blieb nachdenklich zurück. Wenn das wahr sein sollte, was Fibi berichtete, waren sie alle in großer Gefahr! Und wo sollten sie denn hingehen? Wo gab es einen neuen Platz für alle? Was würde aus ihnen werden?
Nach einiger Zeit sah Günther, dass Fibi und Kira, gefolgt von den anderen Tieren, auf ihn zukamen. Was sollte er ihnen bloß sagen? Er wusste es doch auch nicht. Die Tiere suchten schon eine ganze Weile seinen Rat, da er der älteste und erfahrenste unter ihnen war. Doch mit dieser Situation war auch Günther überfordert.
Die Tiere bildeten einen Kreis um Günther und schauten ihn erwartungsvoll an. Günther richtete sich auf und tat so, als wäre er ganz selbstbewusst und wüsste, was nun zu tun ist. In Wahrheit schlotterten ihm die Knie und seine Stärke war nur gespielt. „Freunde,“ begann er zu sprechen. „Ich denke Fibi und Kira haben Euch unterwegs schon aufgeklärt, was geschehen ist und was die Menschen tun.“ Günther hoffte, dass keiner das Zittern in seiner Stimme bemerken würde. „Ähm, also es ist wichtig, einen Plan zu haben. Einen richtig guten Plan, denn sonst sind wir in großer Gefahr.“ Günther räusperte sich. „Also, wie gesagt, ein Plan ist sehr wichtig..“ „Das wissen wir nun schon.“, brummte Horst der Hirsch vor sich hin. „Los, tu endlich etwas“, rief Lotte, das Kaninchen. Die Tiere wurden langsam immer unruhiger. „Ja, also“, stammelte Günther, der nun langsam nicht mehr wusste, was er noch sagen sollte. „Ich muß schnell handeln, bevor es zu spät ist und, ähm...“ „Sag schon, Günther, Du weißt doch immer was! Wenn Du nichts tust, sind wir alle verloren!“, sagte Tilly, die Feldmaus. Günther fiel nun endgültig nichts mehr ein. Aber das zugeben? Nein, dazu war er zu stolz. Die Tiere verließen sich schließlich auf ihn und vertrauten ihm. Konnte er ihnen jetzt nicht helfen, würden sie ihn bestimmt nie wieder um Rat fragen. „Tja, also, ähm...“, stammelte er weiter und versuchte etwas sinnvolles zu sagen, was er aber nicht schaffte. „Freunde, wir vergeuden hier nur unsere Zeit! Von Günther können wir nichts mehr erwarten.“, sprach Raphael der Rabe. „Genau, kommt, lasst uns gehen!“ Horst wandte sich von Günther ab und die anderen Tiere taten es ihm gleich. Beschämt sah Günther ihnen nach. Die einzigen, die noch an seiner Seite blieben waren Fibi und Kira. „Sag mal Günther, was war denn mit Dir los?“ fragte Kira. „Du hast Dich total komisch verhalten. So haben wir Dich ja noch nie erlebt.“ sagte Fibi verdutzt. „Die Tiere sind ziemlich enttäuscht von Dir.“ „Laßt ihr mich bitte allein? Ich brauche jetzt meine Ruhe.“, murmelte Günther. „Klar,“, sagte Fibi. „Aber wir kommen später wieder vorbei. Vielleicht ist Dir ja bis dahin ein guter Plan eingefallen!“ „Ja, genau,“ warf Kira ein. „ Du musst nur mal in Ruhe nachdenken. Wir wissen, dass Du uns nicht im Stich lassen wirst! Wir bauen auf Dich.“ Und so zogen auch Kira und Fibi von dannen und ließen Günther allein.
Warum finde ich denn keine Lösung? Mir ist bisher doch immer etwas eingefallen, grübelte Günther. Warum fällt es mir plötzlich so schwer? Mir muß etwas einfallen, die anderen Tiere verlassen sich alle auf mich, dachte er weiter.
Günther machte sich große Vorwürfe und Selbstzweifel nagten an ihm. Er fühlte sich wie ein Versager. Die Gedanken, die ihn quälten, wurden immer düsterer und eine tiefe Traurigkeit überkam ihn.
„Hallo Günther!“, hörte Günther von oben eine Stimme durch das Loch, in seinen Maulwurfsbau, rufen. Diese Stimme erinnerte ihn an jemanden, den er schon lange nicht mehr gehört und gesehen hatte. Und da fiel es ihm ein. Gundula, die liebe, alte und weise Eule! ...
15/7/2010 - 11:08 Uhr — Doro
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